Vaterland Fotos

2005 - 2007

 

Son of man, you cannot say, or guess,
for you know only a heap of broken images,
[…] and the dead tree gives no shelter.
(Thomas S. Eliot, The Waste Land)
 

Im Deutschen stehen sich zwei Begriffe gegenüber: Heimat und Vaterland. Heimat bezeichnet den Ort persönlicher Erinnerung und Zugehörigkeit, Vaterland verweist auf die Nation und trägt bis heute die Last ihrer politischen Geschichte.

Der Titel dieser Arbeit verwendet den Begriff bewusst in seiner wörtlichen Bedeutung: als Land des Vaters.

Mein Vater wurde in Halle an der Saale geboren und lebte bis zu seinem Tod in Sachsen-Anhalt. Für mich ist diese Region kein Heimatort mehr, sondern ein Ort der wiederkehrenden Besuche – vertraut und zugleich fremd. Aus dieser persönlichen Beziehung entstand Vaterland.

Die Fotografien entstanden in einer Landschaft, die nach der deutschen Wiedervereinigung tiefgreifende Veränderungen erfahren hat. Industrie verschwand, Dörfer verloren ihre Bewohner, öffentliche Räume veränderten ihre Funktion. Viele Orte wirken, als seien sie aus der Zeit gefallen. Doch diese Arbeit versteht sich nicht als Chronik dieser Entwicklungen. Sie sucht nicht nach spektakulären Zeichen des Wandels, sondern richtet den Blick auf seine stillen Spuren.

Häuser, Fassaden, Straßen, Höfe und Brachflächen erscheinen als alltägliche Schauplätze einer Geschichte, die sich weniger in Ereignissen als in Oberflächen eingeschrieben hat. Die Bilder erzählen von Abwesenheit ebenso wie von Gegenwart. Sie zeigen Räume, die genutzt werden und zugleich verlassen wirken, Orte, an denen Vergangenheit und Gegenwart nebeneinander bestehen.

Die Fotografien verzichten bewusst auf das Außergewöhnliche. Gerade im Gewöhnlichen wird sichtbar, wie sich gesellschaftliche Veränderungen in Architektur, Landschaft und Dingen sedimentieren. Dokumentarische Genauigkeit verbindet sich dabei mit einer persönlichen Perspektive. Die Bilder behaupten keine objektive Wahrheit; sie sind Beobachtungen eines Ortes, der zugleich geografischer Raum und biografische Erinnerung ist.

Vaterland versteht sich als fotografische Annäherung an eine Landschaft im Wandel – und an die Frage, wie Geschichte in Orten fortlebt, lange nachdem die Ereignisse vergangen sind.