2_geteilte orte Fotos

2008 - 2009

 


Zwei Städte, zwei Künstler und eine einzige geteilte Welt…
 
Die beiden Fotografen Cicconi und Schulte-Bunert haben ein Projekt realisiert, welchem die Erforschung eines Gebietes gemeinsamen Interesses zu Grunde liegt. Um die Ausstellung zu charakterisieren, muss man von dieser Idee ausgehen.

Zwei Grenz-/Zwillingsstädte: Gorizia / Nova-Gorica zwischen Italien und Slowenien, sowie Görlitz / Zgorzelec zwischen Deutschland und Polen werden zu Symbolen eines unterbrochenen Werdens, einer Geschichte, der es schwer fällt, weiter zu gehen.

Das vor etwa zwei Jahren gestartete Fotografie-Projekt zeigt uns jetzt zwei Sequenzen, deren Ambivalenz unübersehbar ist. Zwei parallele Geschichten, die sich in der Fotografie überschneiden und gemeinsam eine Mündung in der Geschichte suchen, ohne diese zu finden. Tatsächlich zeigen uns die Bilder eine Art ewiger Gegenwart. Sowohl die Portraits Cicconis als auch die Veduten Schulte-Bunerts leben von einer unendlichen Vorläufigkeit.
Beide Fotografen scheinen an dem, was sie vor sich sehen, nicht teil zu haben. Aber genau aus diesem Grund gelingt es ihnen, Details zu erfassen, die viel über die Situation erzählen. Die Fotografien selbst sind von hellen und kalten Tönen bestimmt; so als wäre die winterliche Betrachtung die einzig mögliche, um die Anonymität der Städte und deren Bewohner aus dieser herauszuholen und ins Besondere zu rücken. „2“ ist eine Ausstellung, die die kalte, bewusst von Objekt und Subjekt getrennte europäische Fotografie an einen Extrempunkt bringt, in welchem dieses Paradox von einem Moment zum anderen das Leben vollkommen befreien kann. Wie im „Absurden Theater“ ist das eigentlich Zentrale die Glaubwürdigkeit von unmöglichen Personen und Orten.
Beide Fotografen haben in ihrer Auffassung eines gemein: Sie setzen eine vorhersehbare, in ihrer Art beeindruckende Welt mit einer Sprache ins Licht, die von einem Übermaß an Normalität vereint ist.Die Grenze ist hier nicht mehr in der Hauptsache geografisch, sondern durchdringt immer mehr das Un-/Bewusstsein der Bewohner, ohne jedoch in den Vordergrund zu treten. Die Fotografien registrieren das Verschwinden der Geschichte, mit anderen Worten das Undeutlichwerden des Teilungsfalls, der Unterschiedlichkeit.
Noch einmal ist die Normalität eine Grenze, die nur schwer zu überschreiten ist.
 
Valerio Dehó