Paragone 1 Fotos

2017

 

Biodiversität ist ein grundlegendes Merkmal des Lebens, und der Mensch war immer bemüht, die Natur und ihre Unterschiedlichkeit zu begreifen und abzubilden. Der Vergleich (ital. Paragone) ist dafür unerlässlich. Bei meiner Recherche zur menschlichen Fähigkeit, sich von der Natur ein Bild machen zu können, bin ich auf dreidimensionale Reproduktionen von Pflanzen gestoßen. Vor ca. 150 Jahren als Lehrmittel gedacht, aus damaliger Sicht in Serie, aber mit höchster kunsthandwerklicher Perfektion gefertigt, üben diese Objekte heute eine besondere, über ihre ursprüngliche Bestimmung weit hinaus gehende Faszination aus. 

Die Blütenmodelle aus verschiedenen Universitäts- und Museumssammlungen, Vergrößerungen in unterschiedlichen Maßstäben, stammen aus der Zeit zwischen 1860 und 1930. Die sehr seltenen Modelle des Arnoldischen Obstkabinetts sind in Originalgröße gehalten und stammen sämtlich aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie befinden sich im Besitz der Universität Greifswald. 

In dieser Auseinandersetzung mit reinen Objekten spiele ich mit einer Irritation, die dem Thema des Modells an sich inne liegt: das Schwanken zwischen der Illusion des Realen und deren Auflösung. Im Gegensatz zu meinen Landschaftsbildern, in denen ich das Besondere im Unscheinbaren suche und die Räume modellhaft erscheinen lasse, ist es in dieser Arbeit genau umgekehrt: Durch das Spiel von Farben, Licht und Tiefe versuche ich, den Objekten etwas Reales, Lebendiges zu geben. Auf diese Fiktion konzentriere ich mich und möchte damit die Distanz hinterfragen, in die sich der Mensch durch das Begreifen, Abheben und letztlich das Abbilden der Natur zur selben gebracht hat.

Dem Titel „Paragone“ liegt ein gleichnamiger Streit der italienischen Renaissance zu Grunde. Künstler, hauptsächlich Maler und Bildhauer, stritten sich darum, welcher Kunstform es am besten gelänge, die Realität abzubilden. Diesen Disput greife ich in der Arbeit über die Modelle in doppeltem Sinne auf. Ich füge dem Malerischen und Skulpturalen durch die fotografische Interpretation nicht nur ein Medium hinzu, sondern auch eine weitere Dimension: die Abbildung der Abbildung.