10 sekunden nacht Fotos
10 SEKUNDEN NACHT
Eigenheim-Triptychon
Installation von Bertram Denzel und Kai-Uwe Schulte-Bunert, 2007
Eine gelbe Mülltonne hängt quer unter der Decke. Um die Installation zu erleben, ziehen sich die Betrachtenden den Behälter über den Kopf. Aus einem vertrauten Gebrauchsgegenstand wird ein persönlicher Bild- und Klangraum.
Das Einfamilienhaus steht als Sinnbild für Sicherheit, Privatheit und das Versprechen eines geordneten Lebens. Mit Einbruch der Nacht verändert sich diese vertraute Architektur. Das künstliche Licht löst Fassaden und Fenster aus ihrem alltäglichen Zusammenhang und macht sie zu rätselhaften Bildern, deren Geschichten verborgen bleiben.
Die Arbeit zeigt gewöhnliche Häuser einer Kleinstadt – keine außergewöhnlichen Orte, sondern Orte des Alltags. Gerade ihre Austauschbarkeit macht sie zu Projektionsflächen. Hinter Gardinen und beleuchteten Fenstern wird Anwesenheit spürbar, ohne sichtbar zu werden. Die Häuser erscheinen zugleich bewohnt und unzugänglich, vertraut und fremd.
Die Präsentationsform greift ein Motiv der Fotografien auf: Mülltonnen stehen selbstverständlich vor vielen der Häuser. Was im Alltag kaum Beachtung findet, wird hier zum Ort der Wahrnehmung. Die vertraute Ordnung verschiebt sich – nicht durch spektakuläre Ereignisse, sondern durch eine einfache Veränderung der Perspektive.
In der Verbindung von Fotografie, Zeit und Komposition entsteht keine dokumentarische Beschreibung eines Ortes, sondern eine Verdichtung alltäglicher Wahrnehmung. Zwischen Beobachtung und Inszenierung öffnet sich ein Raum, in dem Realität und Vorstellung ineinander übergehen. Das Eigenheim erscheint als Bild eines gesellschaftlichen Ideals, dessen Versprechen von Geborgenheit ebenso präsent ist wie seine stillen Ambivalenzen.
Die Installation erzählt keine Geschichte und bietet keine Auflösung. Sie lädt dazu ein, das Vertraute neu zu betrachten – als etwas, das sich für einen kurzen Moment dem Gewohnten entzieht.
Dauer: 10 Min. 40 Sek.